https://www.google.de/maps/@-16.068722,145.4675089,38372m/data=!3m1!1e3


Wie wir ja schon berichtet haben, gibts in dieser Ecke von Australien jede Menge Dschungel, Reservate und Nationalparks, wobei einige Bereiche davon als "Wet Tropics of Queensland" sogar als Weltkulturerbe eingestuft sind. Da es echten Regenwald wirklich nur hier gibt - man kennt ja sonst eher die für Australien typischen Bilder vom trockenen Outback, kommen natürlich auch viele Australier hierher, um sich mal das viele Grün anzuschauen. Viele von ihnen und so auch wir begeben sich dafür auf einen Tripp zum Cape Tribulation, dem Kap des Trübsals. Diese unglückliche Namensgebung verdankt das Kap übrigens dem Kartographen des (europäischen) Entdeckers Australiens, James Cook, dessen Schiff dort auf Grund lief und erst nach einer einmonatigen Reparatur wieder seetüchtig war.

Der Weg zum Kap beginnt kurz hinter dem Städtchen Mossman mit der Überquerung des Daintree Flusses per Fähre. Ab dort geht es für ca. 30km auf einer für normale Autos nur bei schönem Wetter passierbaren, aber asphaltierten Straße durch den Dschungel; immer in Meeresnähe und vorbei an diversen Sehenswürdigkeiten. Hier ist also nicht das relativ unspektakuläre Kap, sondern der Weg dorthin das Ziel des Ausflugs. Die Highlights: sehr schöne Tracks durch den Dschungel, diverse Lookouts an diversen großen und kleinen Buchten, leider wieder nicht badetaugliche Bilderbuchstrände und ein paar der unvermeidlichen, von Menschen geschaffenen Touristenattraktionen, die wir immer eher meiden. In diese Kategorie fällt zwar auch die Daintree Ice Cream Company, aber die haben wir natürlich keinesfalls gemieden :) Denn die bauen auf einer Plantage alle möglichen Früchte, von denen wir größtenteils auch noch nie etwas gehört hatten, selber an und verarbeiten diese dann zu leckerstem Milcheis! Mußte mich arg zusammenreißen, um mich nach dem Verzehr des ersten Bechers mit x Kugeln nicht gleich nochmal anzustellen ...

Da wir auf dem Tripp leider wieder kaum Tiere zu Gesicht bekommen hatten, war nun ein von Profis organisierter Ausflug dringend nötig! Gesagt, getan: Die äußerst freundliche Mannschaft von Blue Dive, deren Guides unsere Tauchtouren begleiten, bietet quasi als zweites Standbein auch Wildlife Touren an. Und eines Morgens um 07.30Uhr gings dann ab auf die Piste, weg von der Küste und hoch in die Berge der Dividing Range.

Als erstes haben wir den Wetlands einen Besuch abgestattet, einem relativ überschaubaren Gebiet mit flachen Seen und Tümpeln inmitten des Nirgendwo. Die Wetlands sind zwar hier über die Jahre künstlich aus dem Restwasser des von Stauseen gespeisten Kanalsystems entstanden, aber wie uns gesagt wurde, ist in Australien immer nur etwas Wasser nötig, um das große Feuerwerk der Flora und Fauna zu zünden. Und so war es dann auch. Vorbei an unzähligen Termitenhügeln gabs auf der Zufahrt die ersten Kängurus zu sehen (Agile wallabies) und ein paar friedliche Emus (sogar mit Nachwuchs!). Nach einer kleinen Stärkung mit selbstgemachten Cookies und Tee haben wir auf einer Bootsfahrt dann noch diverse Vögel bzw. Vogelarten zu Gesicht bekommen.

Anschließend gings dann auf einen öffentlichen Golfplatz, da das in der Gegend der beste Platz ist, um jede Menge Eastern Grey kangaroos und wieder diverse Vogelarten aus der Nähe zu sehen zu bekommen. Kopfkratz: Was haben Kängurus auf einem Golfplatz verloren? Es liegt wieder an dem Ding mit dem Wasser, denn das frische Grün des künstlich bewässerten Golfrasens schmeckt einem Känguru nämlich ganz fantastisch, und so hängen die dort rudelweise tagsüber rum, fressen sich satt und dösen im Schatten der Bäume. Die Nacht verbringen sie aber draußen in der Prärie. So nah und so zahlreich sieht man die Tierchen nur selten in Australien, da sie sich hier offensichtlich an die Gegenwart von golfenden und/oder glotzenden Menschen gewöhnen mußten.

Wieder an einem etwas ungewöhnlichen Ort, nämlich in einem schmalen, zwischen einer Teefabrik und der Straße gelegenen Wäldchen, gabs dann eine echte Rarität zu sehen; nämlich ein Baumkänguru. Ja; es gibt wirklich in Bäumen lebende Kängurus, und selbst viele Australier wissen das nicht.

Nach einem Lunch in einem idyllischen Lokal an einem Kratersee eines verloschenen Vulkans sind wir wieder ein Stück in den Nationalpark gefahren, um uns einen riesigen, äußerst bizarren Baum anzuschauen und um kleine Flußschildkröten zu beobachten. Beim Fotografieren von letzterem drängelte sich dann plötzlich und unerwartet noch eine größere Echse, ein Eastern water dragon, ins Bild. Eine Frechheit sowas :)

Als krönenden Abschluß des Tages hatten wir dann an einem Fluß in der Nähe eine Straße noch die Chance, Schnabeltiere zu beobachten. Klugscheiß: Das sind die einzigen Tiere weltweit, die ihren Nachwuchs als Eier auf die Welt bringen und trotzdem wie Säugetiere mit Muttermilch hochpeppeln. Und wie schon während des gesamten Urlaubs war uns auch diesmal das Glück treu ... Auf alle Fälle hat sich die Investition in einen ortskundigen Guide definitiv gelohnt; so viele Tiere wie an diesem Tag sehen wir sonst höchstens im Zoo :)

P.S.: Das Baumkänguru haben wir zwar zwischen den Zweigen der Bäume kurz gesehen, aber ein Foto ist dabei leider nicht rausgesprungen. Das angefügte, an der selben Stelle, aber an einem anderen Tag entstandene Foto eines Baumkängurus hat uns unser Guide Mark freundlicherweise zur Verfügung gestellt.


  • No labels